Nachwuchs gewinnt ein Feuerwehrverein nicht allein durch einen einzelnen Schnuppertag. Tragfähig wird Nachwuchsarbeit, wenn eine Einstiegskette entsteht: sichtbar werden, niedrigschwellig mitmachen, Gemeinschaft erleben, mitbestimmen, Verantwortung in kleinen Schritten übernehmen und dabei sicher begleitet werden.
Für Feuerwehrvereine ist eine saubere organisatorische Trennung besonders wichtig. Ein Verein kann etwa Gemeinschaft, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung der Jugendfeuerwehr durch den Verein fördern. Kindergruppen und Jugendfeuerwehren können je nach örtlicher Organisation Teil der Feuerwehr, des Vereinsumfelds oder eigenständig organisiert sein. Die Einsatzabteilung arbeitet dagegen auf öffentlich-rechtlicher Grundlage. Eintrittsalter, Ausbildungsinhalte, Aufsicht, Zuständigkeiten und Übergänge müssen daher immer anhand der örtlichen Satzungen, Konzepte und rechtlichen Vorgaben geprüft werden.
Die Deutsche Jugendfeuerwehr meldete für das Berichtsjahr 2025 insgesamt 380.441 engagierte Kinder und Jugendliche: 274.763 Jugendliche in 18.421 Jugendfeuerwehren sowie 105.678 Kinder in 6.308 Kindergruppen. Die am 12. Mai 2026 veröffentlichten Zahlen verdeutlichen die bundesweite Bedeutung der Nachwuchsarbeit. Sie sind jedoch kein Erfolgsmaßstab für den einzelnen Feuerwehrverein. Entscheidend ist, ob vor Ort passende Zugänge, verlässliche Beziehungen und sichere Rahmenbedingungen entstehen.
1. Zielgruppen und Botschaften klären
Kinder, Jugendliche, Eltern und junge Erwachsene bringen unterschiedliche Erwartungen mit. Eine Einladung, die alle gleichzeitig ansprechen soll, bleibt leicht zu allgemein. Der Vorstand sollte deshalb zuerst festlegen, wen der Verein erreichen möchte, welches Angebot tatsächlich vorhanden ist und welche Informationen die jeweilige Zielgruppe braucht.
Kinder und ihre Eltern
Kinder können sich für Gemeinschaft, Bewegung, Kreativität und neue Erlebnisse interessieren. Eltern benötigen zusätzlich verlässliche Angaben zur Betreuung, Sicherheit, Erreichbarkeit und zu den Zeiten. Die Kommunikation sollte deshalb nicht nur Feuerwehrtechnik zeigen. Sie sollte verständlich erklären, wie eine Gruppenstunde abläuft: Wer begleitet die Kinder? Wie oft trifft sich die Gruppe? Was wird gemeinsam gemacht? Wie erhalten Eltern Informationen und an wen können sie sich wenden?
Jugendliche
Jugendliche sollten nicht ausschließlich als künftige Einsatzkräfte angesprochen werden. Freundschaften, Selbstständigkeit, Mitbestimmung, Ausflüge, Wettbewerbe, Medienarbeit und praktische Projekte können ebenfalls wichtige Gründe für eine Teilnahme sein. Die Deutsche Jugendfeuerwehr beschreibt selbstbestimmte Erfahrungsräume, handlungsorientiertes Lernen und Demokratieerfahrungen als wichtige Bestandteile der Arbeit. Diese Perspektive sollte auch in der Vereinskommunikation sichtbar sein. Die Grundlagen der Deutschen Jugendfeuerwehr bieten dafür fachliche Orientierung.
Junge Erwachsene
Für junge Erwachsene kann ein klar umrissenes Projekt leichter zugänglich sein als sofort ein Amt oder eine langfristige Verpflichtung. Feuerwehrvereine können deshalb zunächst überschaubare Möglichkeiten anbieten: einen Familientag mitorganisieren, bei einer Veranstaltung unterstützen, Inhalte für digitale Kanäle vorbereiten, eine Technikstation betreuen oder ein Vereinsprojekt dokumentieren. Die DSEE weist darauf hin, dass flexiblere und zeitlich begrenzte Engagementformen einen Einstieg erleichtern können. Der DSEE-Beitrag zu flexiblen Engagementformen liefert hierzu Praxisimpulse, die auf Feuerwehrvereine übertragen werden können.
2. Sichtbar werden, ohne zu überfordern
Nachwuchsarbeit beginnt dort, wo Familien und junge Menschen den Verein wahrnehmen und sein Angebot verstehen können. Ein Feuerwehrfest kann ein guter Anlass sein, sollte aber nicht der einzige Kontaktpunkt bleiben. Sinnvoll ist ein Kommunikationsmix aus persönlichen Kontakten, lokalen Partnern und passenden digitalen Kanälen. Hilfreiche Ansätze bietet auch die Öffentlichkeitsarbeit für Feuerwehrvereine.
- Vor Ort: Feuerwehrfeste, offene Gruppenstunden, Ferienprogramme, Vereinsveranstaltungen und gemeinsame Aktionen mit örtlichen Einrichtungen.
- Persönlich: Einladungen über Mitglieder, Eltern, Sportvereine, Musikgruppen, Schulen, Kindertagesstätten oder weitere Einrichtungen im Ort.
- Digital: aktuelle Internetseiten, lokale Gruppen sowie Beiträge oder Bilder von Projekten – immer nur im Rahmen geklärter Einwilligungen, Datenschutz- und Schutzvorgaben.
- Barrierearm: klare Sprache, gut lesbare Informationen, verständliche Kontaktmöglichkeiten sowie Angaben zu Treffpunkt, Zeiten, Kosten und benötigter Kleidung.
Die DSEE empfiehlt, Zielgruppen zunächst zu definieren und Kommunikationswege gezielt auszuwählen. Für Feuerwehrvereine bedeutet das: Nicht jeder Beitrag muss jede Zielgruppe zugleich bedienen. Eine Elterninformation darf ausführlicher sein als ein kurzer Hinweis für Jugendliche. Die DSEE-Hinweise zur zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit können bei der Planung helfen.
Einladungen konkret formulieren
Eine Einladung sollte die wichtigsten Fragen schnell beantworten. Statt nur „Wir suchen Nachwuchs“ zu schreiben, kann der Verein das tatsächliche Angebot benennen: eine offene Gruppenstunde, ein Kreativprojekt, einen Teamtag oder einen Informationsnachmittag. Für Eltern gehören Ansprechpersonen, Betreuungsrahmen und Anmeldeweg in dieselbe Information. Altersbereiche sollten nur genannt werden, wenn sie vor Ort verbindlich geklärt sind.
Bei Online-Veröffentlichungen muss der Verein prüfen, ob Bildrechte, Einwilligungen, Datenschutz und Jugendschutz eingehalten werden. Kinder und Jugendliche dürfen nicht ohne geklärte Grundlage identifizierbar dargestellt werden. Neutrale Motive, nicht identifizierende Gruppenaufnahmen oder Bilder von Material und Aktionen können je nach örtlicher Regelung eine geeignete Alternative sein.
3. Kindergruppen als niedrigschwelligen Einstieg gestalten

Kindergruppen und Kinderfeuerwehren können Interesse wecken, bevor eine spätere Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr oder eine Tätigkeit in der Einsatzabteilung überhaupt Thema wird. Sie sollten keine vorgezogene Einsatzdienstausbildung sein. Im Mittelpunkt stehen altersgerechte Spiele, Gemeinschaft, Teamgeist, Hilfsbereitschaft, Verantwortung und gemeinsame Aktivitäten. Für die Vereinsarbeit können dabei sinnvolle Beiträge zur Förderung der Kinderfeuerwehr Orientierung geben.
Beispiele für Gruppenstunden
- Eine Teamaufgabe, bei der Kinder gemeinsam einen Parcours planen und verbessern.
- Ein kreatives Projekt zu Feuerwehr, Rettung, Umwelt oder Dorfgeschichte.
- Eine altersgerechte Besichtigung des Gerätehauses mit ausreichend Zeit für Fragen.
- Ein gemeinsamer Ausflug, bei dem Kinder im passenden Rahmen Aufgaben übernehmen und Entscheidungen treffen.
- Ein Projekttag mit einer örtlichen Einrichtung, etwa einem Sportverein oder einer Bücherei.
Die Informationen der Deutschen Jugendfeuerwehr zu Kindern in der Feuerwehr betonen einen spielerischen und altersgerechten Zugang. Für die konkrete Ausgestaltung gelten zusätzlich die örtlichen Vorgaben sowie die Zuständigkeiten der Feuerwehr und des Trägers.
Den Übergang frühzeitig vorbereiten
Der Wechsel von einer Kindergruppe in die Jugendfeuerwehr sollte für Kinder und Eltern nachvollziehbar sein. Rechtzeitig zu klären sind insbesondere Zuständigkeit, Gruppenzeiten, Inhalte, Ansprechpartner, mögliche Kosten und erforderliche Einwilligungen. Gemeinsame, altersgerecht geplante Aktionen von Kinder- und Jugendgruppe können das Kennenlernen erleichtern.
Ein örtlicher Übergangsplan kann beispielsweise vorsehen:
- Eltern frühzeitig über mögliche Wechselwege informieren und Fragen aufnehmen.
- Gemeinsame Aktionen von Kinder- und Jugendgruppe anbieten.
- Vor einem Wechsel Jugendwarte, Betreuende, Kinder und Eltern ins Gespräch bringen.
- Nach dem Wechsel eine feste Ansprechperson benennen und Rückmeldungen einholen.
Die Deutsche Jugendfeuerwehr beschreibt den Übergang als wichtigen Bestandteil der Mitgliederbindung. Die Arbeitshilfe zum Übertritt von der Kindergruppe in die Jugendfeuerwehr unterstützt bei der örtlichen Planung.
4. Jugendliche wirksam beteiligen
Mitbestimmung ist kein zusätzlicher Programmpunkt, sondern Teil einer glaubwürdigen Jugendarbeit. Jugendliche sollten nicht nur gefragt werden, welche Aktivität ihnen gefallen hat. Sie können auch an Planung, Vorbereitung und Auswertung beteiligt werden. Welche Entscheidungen sie tatsächlich treffen können, muss der Verein transparent benennen.
Mitbestimmung im Alltag
- Jugendliche wählen aus mehreren möglichen Projekten aus.
- Sie planen Teile eines Gruppennachmittags oder einer Vereinsveranstaltung.
- Sie entscheiden über Themen für Beiträge, Plakate oder digitale Inhalte.
- Sie erhalten für ein vereinbartes Projekt ein klar begrenztes Materialbudget, soweit dies örtlich möglich ist.
- Sie geben Rückmeldung zu Terminen, Treffpunkten und Abläufen.
Wichtig ist die Rückmeldung des Vorstands und der Verantwortlichen: Welche Vorschläge wurden umgesetzt? Was war aus Sicherheits-, Kosten- oder Organisationsgründen nicht möglich? Wenn Entscheidungsspielräume begrenzt sind, sollte dies offen erläutert werden. Eine kurze Dokumentation im Gruppenraum oder im internen Kommunikationskanal kann Beteiligung sichtbar machen.
Die Arbeitshilfe der Deutschen Jugendfeuerwehr zur Mitbestimmung Jugendlicher nennt unter anderem Dienstpläne, Übungen, Delegiertenwahlen, Transparenz im Vorstand und gemeinsame Aktivitäten als mögliche Beteiligungsfelder.
Verantwortung in kleinen Schritten
Verantwortung sollte zu Alter, Reife, Qualifikation und örtlichem Rahmen passen. Geeignet können die Begrüßung neuer Mitglieder, die Pflege einer Materialliste, die Moderation einer Feedbackrunde, die Vorbereitung eines Spiels oder die Mitarbeit an einem Infostand sein. Aufgaben mit Sicherheits-, Aufsichts- oder Ausbildungsrelevanz dürfen nur entsprechend den geltenden Vorgaben und durch geeignete Personen übertragen werden.
5. Eltern und lokale Partner einbeziehen
Eltern sind wichtige Gesprächspartner, wenn Kinder regelmäßig teilnehmen sollen. Sie brauchen verlässliche Informationen und einen klaren Kontaktweg. Ein Elternabend oder ein kurzes Startgespräch muss nicht erst stattfinden, wenn es Probleme gibt. Sinnvoll sind verständliche Jahresinformationen, erreichbare Ansprechpersonen und Gelegenheit für Fragen.
Zu klären sind insbesondere:
- pädagogisches Konzept und Ziele der Gruppe,
- Betreuung, Aufsicht und Erreichbarkeit,
- Termine, Abholregelungen und Ausfälle,
- Kosten, Kleidung und benötigte Ausrüstung,
- Foto- und Videoeinwilligungen, Datenschutz sowie Beschwerdewege,
- Übergänge zwischen Kindergruppe, Jugendfeuerwehr und weiteren Bereichen.
Kooperationen mit Schulen, Kindertagesstätten, Jugendhäusern, Sportvereinen, Musikgruppen und kommunalen Einrichtungen können zusätzliche Zugänge eröffnen. Der Verein sollte dabei klar benennen, welches Angebot er macht und wer rechtlich sowie organisatorisch verantwortlich ist. Eine gemeinsame Veranstaltung ersetzt keine klare Zuständigkeitsregelung.
6. Betreuendenteams stärken
Die Qualität der Begleitung prägt Nachwuchsarbeit wesentlich. Jugendwarte und Betreuende übernehmen weit mehr als reine Aufsicht: Sie planen Freizeitangebote, sprechen mit Eltern, organisieren Kooperationen, bilden sich weiter und unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit. Die Deutsche Jugendfeuerwehr beschreibt Anforderungen und Aufgaben Betreuender ausführlich.
Diese Arbeit sollte nicht an einer einzelnen Person hängen. Ein Team mit klaren Rollen erleichtert Vertretung, Abstimmung und eine realistische Aufgabenverteilung:
- eine verantwortliche Leitung für Planung und zentrale Ansprechbarkeit,
- weitere Betreuende für Gruppenstunden und Veranstaltungen,
- eine Zuständigkeit für Elternkommunikation,
- Unterstützung für Material, Fahrten und Organisation,
- eine Vertretungsregelung für Urlaub, Krankheit und berufliche Belastung.
Neue Betreuende brauchen ein verständliches Aufgabenprofil, eine Einführung, feste Ansprechpartner und Zugang zu geeigneten Qualifizierungen. Die DSEE nennt Flexibilität, Weiterbildung und Vielfalt als wichtige Faktoren für die Gewinnung Engagierter. Die DSEE-Praxisimpulse zur Gewinnung Engagierter sind keine feuerwehrspezifischen Vorgaben, können aber als Anregung für Feuerwehrvereine dienen.
7. Kinder- und Jugendschutz verbindlich verankern
Ein sicherer Ort ist die Grundlage jeder Nachwuchsarbeit. Kinder und Jugendliche müssen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie sich unwohl fühlen oder Grenzen überschritten werden. Ein Schutzkonzept sollte deshalb nicht nur abgelegt, sondern im Alltag verständlich und erreichbar sein. Hinweise dazu, wie sich Kinder- und Jugendaktionen sicher begleiten lassen, können die Umsetzung unterstützen.
Elemente eines Schutzkonzepts
- klare Verhaltensregeln für Betreuende, Helfende und Teilnehmende,
- benannte Ansprechpersonen innerhalb und möglichst auch außerhalb der Gruppe,
- transparente Beschwerde- und Meldewege,
- Regeln für Einzelkontakte, Fahrten, Umkleidesituationen, digitale Kommunikation und Übernachtungen,
- regelmäßige Schulungen und Auffrischungen,
- eine klare Haltung gegen Gewalt, Diskriminierung und sexualisiertes Verhalten,
- Prüfung der jeweils erforderlichen Nachweise und örtlichen Vorgaben.
Die Deutsche Jugendfeuerwehr stellt Kinder- und Jugendschutz als zentrale Grundlage der Arbeit heraus. Die Materialien bieten fachliche Orientierung, ersetzen jedoch keine Prüfung der aktuell geltenden gesetzlichen, kommunalen oder trägerspezifischen Anforderungen. Bei konkreten Vorfällen oder Verdachtslagen sind die örtlich festgelegten Schutz- und Meldewege maßgeblich.
8. Ein praxistauglicher Jahresplan
Ein kleiner, konsequent umgesetzter Plan ist für viele Vereine hilfreicher als zahlreiche unverbundene Einzelaktionen. Der folgende Ablauf ist eine Praxisidee und muss an die örtlichen Möglichkeiten, Zuständigkeiten und Vorgaben angepasst werden.
In den ersten vier Wochen
- Zielgruppen, vorhandene Angebote und Ansprechpartner festlegen.
- Informationen zu Zeiten, Altersbereichen, Kosten und Anmeldung aktualisieren.
- Schutzkonzept, Einwilligungen und Kommunikationsregeln anhand der örtlichen Vorgaben prüfen.
- Aufgaben im Betreuendenteam verteilen.
Im zweiten Monat
- eine offene Gruppenstunde oder einen Schnuppertag planen,
- örtliche Einrichtungen und mögliche Partner ansprechen,
- separate Informationen für Kinder, Jugendliche und Eltern erstellen,
- Jugendliche im passenden Rahmen an Planung und Öffentlichkeitsarbeit beteiligen.
Im dritten Monat
- die Aktion durchführen und Rückmeldungen von Kindern, Eltern und Betreuenden einholen,
- interessierte Familien über den vereinbarten Kontaktweg informieren,
- neue Mitglieder mit festen Ansprechpartnern begrüßen,
- ein erstes überschaubares Beteiligungsprojekt starten.
Danach kann der Verein in regelmäßigen Abständen prüfen: Welche Kontakte sind entstanden? Wer nimmt regelmäßig teil? An welchen Stellen gehen Interessierte verloren? Fühlen sich junge Mitglieder ernst genommen? Ist das Betreuendenteam belastbar? Nicht jede Kennzahl muss steigen. Wichtiger ist, Rückmeldungen auszuwerten und daraus nachvollziehbare Verbesserungen abzuleiten.
Typische Fehler bei der Nachwuchsgewinnung
- Nur Technik zeigen: Feuerwehrtechnik kann Interesse wecken, ersetzt aber keine Gemeinschaft und keine altersgerechte pädagogische Arbeit.
- Zu früh auf die Einsatzabteilung verweisen: Kinder und Jugendliche brauchen zunächst passende Erfahrungsräume. Einsatzdienst ist kein automatisch erreichbares Ziel und unterliegt eigenen Voraussetzungen.
- Jugendliche nur als Helfende einsetzen: Wer Aufgaben übernimmt, aber keinen erkennbaren Gestaltungsspielraum erhält, kann Beteiligung als wenig glaubwürdig erleben.
- Einzelne Betreuende überlasten: Ohne Vertretung und realistische Zeitplanung wird die Nachwuchsarbeit anfällig.
- Eltern zu spät informieren: Unklare Zeiten, Kosten oder Zuständigkeiten erschweren eine regelmäßige Teilnahme.
- Fotos ungeprüft veröffentlichen: Datenschutz, Einwilligungen und Jugendschutz müssen vor jeder Veröffentlichung geklärt sein.
- Rechtliche Unterschiede verallgemeinern: Eintrittsalter, Organisation und Übergänge sind nicht bundesweit einheitlich.
Checkliste für den Vorstand
- Gibt es ein verständliches Angebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene?
- Sind Vereinsarbeit, Einsatzabteilung, Kindergruppe und Jugendfeuerwehr organisatorisch klar beschrieben?
- Wissen Eltern, wer betreut und wie sie Kontakt aufnehmen können?
- Gibt es altersgerechte Aktivitäten jenseits einer reinen Ausbildungsperspektive?
- Können Jugendliche echte Entscheidungen beeinflussen?
- Sind Aufgaben für neue Helfende klein, konkret und zeitlich begrenzt möglich?
- Arbeitet ein Team statt nur eine Einzelperson?
- Gibt es ein aktuelles Schutzkonzept mit Ansprech- und Beschwerdewegen?
- Sind digitale Kommunikation und Bildveröffentlichungen sicher geregelt?
- Wird regelmäßig geprüft, warum Interessierte bleiben oder nicht weiter teilnehmen?
FAQ zur Nachwuchsarbeit im Feuerwehrverein
Ab welchem Alter können Kinder teilnehmen?
Das lässt sich bundesweit nicht einheitlich beantworten. Altersgrenzen und Organisationsformen können durch Landesrecht, kommunale Regelungen, Feuerwehrsatzungen und örtliche Konzepte bestimmt werden. Maßgeblich sind die zuständige Feuerwehrführung, der Träger und die jeweils geltenden örtlichen Vorgaben.
Muss Nachwuchsarbeit immer auf eine spätere Einsatzmitgliedschaft zielen?
Nein. Kinder- und Jugendarbeit kann Gemeinschaft, Bildung, Beteiligung und persönliche Entwicklung als eigenständige Ziele verfolgen. Eine spätere Tätigkeit in der Einsatzabteilung kann eine Möglichkeit sein, ist aber weder für jedes Mitglied passend noch automatisch zugesagt.
Wie gewinnt ein Verein junge Erwachsene?
Ein möglicher Einstieg sind konkrete, zeitlich überschaubare Aufgaben mit verlässlichen Rahmenbedingungen. Projektarbeit, Veranstaltungsunterstützung, digitale Kommunikation oder Technikaufgaben können erste Zugänge schaffen. Über dauerhafte Funktionen kann der Verein später informieren, wenn Interesse und passende Voraussetzungen vorhanden sind.
Was ist wichtiger: Werbung oder gute Gruppenarbeit?
Beides gehört zusammen. Werbung schafft Sichtbarkeit und erste Kontakte. Ob daraus eine regelmäßige Teilnahme oder späteres Engagement wird, hängt auch von Betreuung, Sicherheit, Gemeinschaft, Mitbestimmung und passenden Angeboten ab. Deshalb sollte eine Einladung immer mit einem nachvollziehbaren nächsten Schritt verbunden sein.
Wer ist für Sicherheits- und Ausbildungsfragen zuständig?
Für Sicherheits- und Ausbildungsfragen sind die zuständige Feuerwehrführung, der Feuerwehrträger, die Unfallversicherung sowie die jeweils geltenden Vorgaben der Deutschen Jugendfeuerwehr, des Landes und der Kommune maßgeblich. Vereinsvorstände sollten keine eigenen pauschalen Regeln an die Stelle dieser Zuständigkeiten setzen.
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutscher Feuerwehrverband: Mitgliederzahlen der Deutschen Jugendfeuerwehr für das Berichtsjahr 2025
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Kinder in der Feuerwehr
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Übertritt von der Kindergruppe in die Jugendfeuerwehr
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Grundlagen
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Arbeitshilfe zur Mitbestimmung Jugendlicher
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Anforderungen und Aufgaben Betreuender
- Deutsche Jugendfeuerwehr: Kinder- und Jugendschutz
- Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Zielgruppen erweitern und gezielt kommunizieren
- Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Engagierte gewinnen
